19. Bayerische Einzelmeisterschaften BCD
2./3. Dezember 2017 - Regentalhalle Nittenau

MEG

Die Stadt Nittenau

LogoNittenauKopierenWo der Regenfluss am nordöstlichsten Punkt seine Hauptfließrichtung von Ost-West nach Nord-Süd ändert, liegt Nittenau. Ein Ort, der sogar einen Fluss dazu bewegt kehrt zu machen um sich ein wenig länger hier aufzuhalten, ist auch für die Menschen, die hier leben, und die vielen Urlaubsgäste etwas ganz besonderes.

In einer Königsurkunde aus dem Jahr 1007 wird der Ort Nittenau zum ersten Mal erwähnt. Nittenau dürfte jedoch mit Sicherheit älter sein. Allein schon der Name deutet auf die Zeit der Landnahme der Bajuwaren hin, also auf die Einwanderung der Bayern aus Böhmen um 500 n. Chr. Am 1. November 1007 händigte Kaiser Heinrich II., der vor seiner Erhebung zum deutschen Herrscher Herzog von Bayern gewesen war, die Urkunde in Frankfurt aus. Der Ort Nittenau wird dem neu gegründeten Bistum Bamberg geschenkt. Hierzu ist noch zu bemerken, dass der Ort vor der Schenkung dem Kaiser gehört hat, dass man also in Nittenau altes Königsgut vermuten kann. Interessant ist, dass in der Schenkungsurkunde die Stiftung des Bistums Bamberg erzählt wird, so dass also die erste Nennung eng mit der Gründung des Bistums Bamberg zusammenhängt. Die Bamberger Zeit des Ortes dauerte bis 1269. In diesem Jahr überträgt Bischof Berthold von Bamberg dem bayerischen Herzog Ludwig II. von Oberbayern neben anderem Besitz auch Nittenau. Die nachfolgende bayerisch-pfälzische Zeit (1269-1628) wird durch eine Königsurkunde eingeleitet, eine Urkunde Kaiser Ludwigs des Bayern, der jedoch zur Zeit der Ausstellung der Urkunde noch nicht die Kaiserkrone trug und sich daher König nannte. Offiziell werden die Marktrechte Nittenau 1345 durch Pfalzgraf Rupprecht II. verliehen. Durch den Hausvertrag von Pavia kam Nittenau zur pfälzischen Linie der Wittelsbacher und erlebte dort seinen größten Aufstieg. Im Jahr 1468 werden dem jungen Markt die äußeren Attribute der Selbständigkeit verliehen. Pfalzgraf Otto II. erlaubte ein Wappen und gibt dem Ort das Recht ein Siegel zu führen.

Im Jahr 1628 beginnt die dritte Epoche der Geschichte Nittenaus, die Bayerische. In diesem werden die Oberpfalz und damit auch Nittenau wieder bayerisch. In diesem Zeitraum ist die Bedeutung und Stellung Nittenaus erheblich gesunken. Nach heutiger Kenntnis besaß der Ort drei große Tore mit Tortürmen, das Obere Tor, das Untere Tor und das Brückentor. Ein Wahrzeichen unserer Stadt, der Storchenturm, gehörte damals zum inneren Befestigungsring.
Bedingt durch die französische Revolution von 1789 standen auch in Deutschland die Zeichen auf Sturm. Alte Privilegien und Rechte wurden abgeschafft. Im Jahr 1805 wurde die Marktverfassung in Nittenau aufgehoben und das Marktrecht außer Kraft gesetzt. Bereits im gleichen Jahr zogen große Truppenverbände durch Nittenau, ohne dass es zu Kampfhandlungen gekommen wäre. Erst im April des Jahre 1809 rückten im Zuge des französisch-österreichischen Erbfolgekriegs französische Truppen gegen Nittenau vor und verdrängten die sich zurückziehenden Österreicher. Dass Nittenau auch in dieser Zeit noch eine über seine Gemeindegrenze hinausreichende Bedeutung hatte, beweist die Tatsache, dass Nittenau durch das "Gesetz, die Distrikträte betreffend" vom 28. Mai 1852 zur Distriktsgemeinde erhoben wurde. Distriksgemeinden nach der Kodifikation von 1852 gelten als Vorläufer der heutigen Landkreise.
Nittenau war also zu dieser Zeit "Landkreissitz". Die Grenzen der Distriktsgemeinde Nittenau reichten im Süden bis Siegenstein, im Osten bis Dieberg, im Norden bis Mögendorf und im Westen waren sie mit der heutigen Gemeindegrenze identisch. Die Distriktsgemeinde wiederum war dem Bezirksamt Roding unterstellt. Innerhalb des Bezirksamtes Roding bestanden in Nittenau und Roding zwei Distriktsgemeinden. Mit Wirkung vom 1. Januar 1920 wurden die Distriktsgemeinden aufgelöst und die zum Bezirksamt Roding gehörenden Distrikte zum Bezirk (ab 1. Januar 1939 Landkreis) Roding vereinigt.
Nun noch ein Blick in die jüngere Geschichte unserer Stadt. Der Zweite Weltkrieg hat auch in Nittenau seine Spuren hinterlassen. Am 28. Dezember 1944 wurde der Ort von amerikanischen Bomberverbänden angegriffen. 28 Tote, ca. 100 Verwundete und ein Sachschaden von rund einer halben Million Reichsmark waren zu beklagen. Der Einmarsch der Amerikaner im April 1945 wickelte sich weniger schmerzvoll und verlustreich ab. Nach Ende des Krieges ging man daran, den zerstörten Markt wieder aufzubauen.
Als Anerkennung für die bisherigen Leistungen und Verdienste, insbesondere für den Wiederaufbau seit 1945, wurde dem Markt Nittenau - fast 600 Jahre nach Verleihung der Marktrechte - am 26. Oktober 1953 durch Entschließung des Bayerischen Staatsministeriums des Inneren die Bezeichnung "Stadt" verliehen. Die Feierlichkeiten der Stadterhebung fanden unter Teilnahme des stellvertetenden Ministerpräsidenten und Innenministers Dr. Wilhelm Hoegner am 17. Januar 1954 statt.
Mit der Neuordnung des bayerischen Staatsgebiets wurde ein weiteres Kapitel unserer Stadtgeschichte aufgeschlagen. Durch Verordnung der Bayerischen Staatsregierung wurde die Stadt Nittenau am 1. Juli 1972 in den neugebildeten Landkreis Schwandorf umgegliedert. Der Landkreis Roding wurde zu diesem Zeitpunkt aufgelöst und so eine seit mehr als 120 Jahren bestehende Kreiszugehörigkeit beendet. Im Zuge der Gebietsreform wurden am 1. Juli 1972 die Gemeinden Bodenstein, Bleich, Kaspeltshub, Untermainsbach und Stefling sowie am 1. Juli 1978 die Gemeinde Fischbach nach Nittenau eingegliedert. Dadurch ist die Einwohnerzahl von ca. 4000 auf heute 8900 Personen angewachsen.
[Quelle: Dr. Josef Klose: "Nittenau in alten Urkunden"